Bikepacking Routenplanung: So startest du stressfrei in dein erstes Abenteuer

Keine Lust auf Sackgassen oder Schiebepassagen? Hier erfährst du, wie du deine erste Bikepacking-Route stressfrei planst. Von der realistischen Kilometer-Kalkulation bis zum sicheren Schlafplatz – Schritt für Schritt zum perfekten Abenteuer.

Hand aufs Herz:

Nichts killt die Stimmung auf dem Rad schneller, als wenn der „gemütliche Waldweg“ plötzlich in einer tiefen Matschgrube endet oder du nach 80 Kilometern feststellst, dass der nächste Supermarkt noch zwei Stunden entfernt ist.

Bikepacking bedeutet Freiheit – aber diese Freiheit genießt du nur, wenn die Basis stimmt.

Eine gute Routenplanung ist kein Hexenwerk. Sie ist deine Versicherung gegen Frust, Hunger und unnötige Qualen.

Egal, ob du deinen ersten spontanen Overnighter planst oder eine Woche durch die Alpen willst:

Mit der richtigen Vorbereitung wird aus „Hoffentlich komme ich an“ ein entspanntes „Der Weg ist das Ziel“.

In diesem Guide zeigen wir dir, wie du deine Route so legst, dass sie zu deiner Fitness und deinem Rad passt.

Wir schauen uns an, wie du böse Überraschungen vermeidest, welche Tools dir wirklich helfen (und welche nur Zeit fressen) und wie du entspannt deinen Schlafplatz findest.

Mach dir keinen Stress:

Du musst nicht den kompletten Kontinent durchqueren.

Fangen wir einfach an.

Realistische Planung: Kilometer, Zeit und Höhenmeter

Vergiss für einen Moment deinen Schnitt auf der Feierabendrunde.

Bikepacking folgt anderen Gesetzen.

Ein beladenes Rad fährt sich träger, Schotter saugt Energie, und du wirst öfter anhalten – sei es für ein Foto, einen Riegel oder einfach, um die Aussicht zu genießen.

Der häufigste Anfängerfehler?

Die Distanz überschätzen und die Höhenmeter unterschätzen.

Drei Faktoren, die deine Tagesleistung drosseln:

  • Das Systemgewicht: Dein Rad wiegt mit Taschen, Wasser und Zelt schnell 15–20 kg mehr als sonst. Das spürst du an jedem Anstieg.
  • Der Untergrund: 50 Kilometer auf Asphalt rollen entspannt. 50 Kilometer auf sandigen Waldwegen oder grobem Schotter können dich komplett auspowern.
  • Wetter & Wind: Gegenwind auf offener Fläche oder matschige Wege nach Regen kosten massiv Zeit.

Deine Faustformel für den Start

Wenn du dein Fitnesslevel noch nicht unter Realbedingungen getestet hast, plane konservativ.

Du willst abends entspannt am Camp ankommen, nicht völlig erschöpft.

  • Einsteiger & Genussfahrer: Plane mit 40 bis 60 Kilometern pro Tag bei mäßigen Höhenmetern (bis ca. 600 hm). Das lässt dir Luft für Pausen und Pannen.
  • Sportliche Fahrer: 70 bis 90 Kilometer sind machbar, wenn der Untergrund nicht zu technisch ist.
  • Höhenmeter-Faustregel: Rechne pro 100 Höhenmeter ca. 15–20 Minuten extra Fahrzeit oben drauf – unabhängig von der Distanz.
Simple-Tipp: Plane immer 20 % Pufferzeit ein. Ein platter Reifen, eine gesperrte Brücke oder ein schöner Spot für den Kaffee – irgendwas ist immer. Wenn du früher ankommst: Super, mehr Zeit zum Entspannen am Lagerfeuer!

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How-to Bikepack ist der Bikepacking-Ratgeber für Einsteiger und Einsteigerinnen und zeigt dir Schritt für Schritt, wie du unvergessliche Abenteuer in der Natur vorbereiten und umsetzen kannst.

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Deine Werkzeuge: Apps und Navigation

Du musst das Rad nicht neu erfinden.

Für die Routenplanungu gibt es mittlerweile fantastische Tools, die dir viel Arbeit abnehmen.

Für den Einstieg reicht ein Smartphone vollkommen aus.

Der Goldstandard: Komoot

Im deutschsprachigen Raum kommst du an Komoot kaum vorbei.

Die App ist intuitiv und riesig.

Doch Vorsicht: Blindes Vertrauen führt oft auf unbefahrbare Pfade.

  • Nutze die „Wegbeschaffenheit“: Ein genialer, oft übersehener Tab in der Planung. Er zeigt dir an, ob du über glatten Asphalt rollst oder dich über „losen Untergrund“ quälen musst. Checke das unbedingt vor der Tour
  • Highlights & Collections: Statt bei Null anzufangen, suche nach „Collections“ in deiner Region. Das sind redaktionell geprüfte Routen, die oft schöner sind als der reine Algorithmus-Vorschlag.
  • Community-Wissen: Schau dir die Fotos und Kommentare zu Wegpunkten an. Ein „Achtung, Schiebestrecke!“-Kommentar von letzter Woche rettet dir den Tag.

Für Tüftler: BRouter (brouter.de)

Wenn du es ganz genau wissen willst, ist der BRouter (Web-Version) dein Freund.

Er sieht technisch aus, ist aber extrem mächtig.

Hier kannst du exakte Profile einstellen (z. B. „Gravel schnell“ oder „MTB hart“), um Wege zu finden, die Komoot manchmal ignoriert.

Pro-Tipp: Plane in BRouter und exportiere die GPX-Datei dann nach Komoot zur Navigation.

Inspiration finden

Wo geht’s eigentlich hin? Wenn du noch gar keinen Plan hast, schau hier vorbei:

  • Orbit360: Tolle Gravel-Routen-Serie in Deutschland (oft als Loop/Rundkurs angelegt).
  • Lokale Scouts: Folge Bikepackern aus deiner Region auf Instagram oder Strava.

Navigation: Smartphone oder GPS-Gerät?

Hier scheiden sich die Geister, aber machen wir es pragmatisch.

Wenn du gerade erst startest, hast du das beste Navigationstool wahrscheinlich schon in der Hosentasche.

Dein Smartphone ist leistungsstark, hat ein geniales Display und du kennst die Bedienung im Schlaf.

Für den Einstieg (Phase 1–3) ist das absolut ausreichend.

Doch sobald deine Touren länger werden, das Wetter rauer wird oder du einfach keine Lust mehr hast, ständig auf den Akkustand zu schielen, kommt der GPS-Radcomputer (z. B. Wahoo Roam, Garmin Edge) ins Spiel.

Er ist ein Spezialwerkzeug: Er kann nur eine Sache, aber die macht er perfekt – und zwar auch noch nach 10 Stunden im Regen.

Hier ist der direkte Vergleich, damit du entscheiden kannst, was jetzt für dich passt:

WordPress Data Table Plugin

Mein Rat für den Start

Investiere dein Budget am Anfang lieber in gute Taschen oder eine leichte Isomatte als in teure Elektronik.

1. Kauf dir eine robuste Handy-Halterung* (z. B. Quad Lock oder SP Connect).

2. Pack eine Powerbank (mind. 10.000 mAh) in die Rahmentasche.

3. Lade die Karten in Komoot offline herunter (Flugmodus spart extrem viel Akku!).

Erst wenn du merkst, dass dich das Handy am Lenker nervt oder du mehrtägige Touren bei Regen planst, lohnt sich das Upgrade auf einen Radcomputer.

Logistik-Guide: Essen, Trinken und der perfekte Schlafplatz

Sobald der Track auf deinem Display leuchtet, ploppen oft die eigentlich wichtigen Fragen auf:

Wo bekomme ich abends mein Wasser her? Muss ich den Campingplatz reservieren? Und was passiert, wenn der Dorfladen schon zu hat?

Bikepacking unterscheidet sich hier stark vom klassischen Radurlaub.

Du bist flexibler, aber auch selbstverantwortlicher.

Während du bei einer 3-Tages-Tour durch den Schwarzwald fast alle 10 Kilometer an einer Bäckerei vorbeikommst, sieht das in dünn besiedelten Regionen (wie Brandenburg oder den Alpen) ganz anders aus.

Eine solide Logistik-Planung ist daher deine "Lebensversicherung" für gute Laune.

Sie entscheidet darüber, ob du den Sonnenuntergang mit einem kühlen Getränk genießt oder panisch nach einem Platz für dein Zelt suchst, während es langsam dunkel wird.

Gehen wir die beiden Säulen deiner Versorgung Schritt für Schritt durch, damit du entspannt starten kannst.

Die Nacht: Dein Level an Abenteuer wählen

Es gibt keinen "richtigen" Weg, die Nacht zu verbringen. Es gibt nur den Weg, mit dem du dich sicher fühlst.

Gerade am Anfang hilft es, die Ungewissheit zu reduzieren.

Plane deine Schlafplätze lieber etwas genauer, bis du Routine im Aufbauen und Improvisieren hast.

Der "Sichere Hafen" (Campingplätze):

Das ist die stressfreie Variante für Einsteiger. Du hast garantierte Wasserversorgung, eine warme Dusche und oft einen Kiosk für das Feierabendbier.

Planungstipp: In der Ferienzeit lohnt sich ein kurzer Anruf am Mittag. Viele Plätze haben jedoch spezielle "Zeltwiesen" für Wanderer und Radfahrer, auf denen man fast immer noch ein Plätzchen findet, auch ohne Reservierung.

Das legale Abenteuer (Trekking-Plätze & Plattformen):

Einfach im Wald zu zelten (Wildcampen), ist im DACH-Raum meist verboten und kann teuer werden.

Die geniale, legale Alternative sind Trekking-Plätze (z. B. im Pfälzerwald, Eifel, Steigerwald).

Du buchst online eine Plattform im Wald, bist ganz allein in der Natur, darfst aber legal dort schlafen.

Alternative: Apps wie 1Nite Tent oder MyCabin vermitteln private Gärten oder Waldstücke von Grundbesitzern – oft gegen eine kleine Spende.

Das feste Dach (Pensionen/Hotels):

Es ist keine Schande, bei Dauerregen oder Kälte ein festes Dach zu suchen.

Im Gegenteil: Es spart dir massiv Gewicht am Rad (kein Zelt, keine Isomatte, dünnerer Schlafsack) und lässt dich am nächsten Tag erholt starten.

Das nennt man "Credit Card Touring" – und es ist eine völlig legitime Art des Bikepackings.

Der Ehrenkodex: Leave No Trace Egal, ob legaler Trekking-Platz oder private Wiese:

Wir sind Gäste. Hinterlasse den Ort sauberer, als du ihn vorgefunden hast.

Müll kommt wieder mit, Lärm wird vermieden, und Feuer machst du ausschließlich an offiziellen Feuerstellen.

Der Motor: Essen und Trinken

Dein Energiebedarf ist auf Tour deutlich höher als im Büroalltag. Nichts beendet eine Tour schneller als der berüchtigte "Hungerast" , wenn der Körper keine Energie mehr hat.

Die Wasser-Strategie:

In Mitteleuropa musst du selten Wasser für zwei Tage mitschleppen. Zwei große Flaschen (je 0,75–1 Liter) am Rad reichen meistens aus.

Der Insider-Tipp: Friedhöfe. Sie sind fast in jedem Dorf zu finden, öffentlich zugänglich und haben in 99 % der Fälle einen Wasserhahn. Wenn kein "Kein Trinkwasser"-Schild dran steht, ist es in DACH meist bestes Leitungswasser (im Zweifel filtern).

Versorgungslücken erkennen:

Checke deine Route auf "tote Zonen". An Sonntagen haben in ländlichen Regionen Supermärkte geschlossen.

Tankstellen sind dann oft die einzige Rettung, aber teuer.

Plane deinen Großeinkauf ("Resupply") am besten strategisch am Vormittag ein, dann hast du abends keinen Stress.

Der Notfall-Riegel:

Verstecke einen Riegel oder ein Gel tief in deiner Rahmentasche.

Das ist dein "Notgroschen", den du nur anrührst, wenn wirklich gar nichts mehr geht.

Zu wissen, dass er da ist, beruhigt ungemein.

Routenplanung beim Bikepacking

Foto: © VAUDE

Fazit: Planen, losfahren, genießen

Lass dich von der Vorbereitung nicht lähmen.

Ja, eine gute Route ist wichtig, damit du nicht auf einer stark befahrenen Bundesstraße landest.

Aber der eigentliche Zauber beim Bikepacking entsteht oft in den Lücken zwischen den Wegpunkten:

Der ungeplante Kaffee im Dorfladen, der Sonnenuntergang, der schöner ist als gedacht, oder der kurze Plausch mit einem anderen Radler.

Je öfter du planst, desto schneller wirst du.

Dein Blick für Höhenlinien schärft sich, und du weißt genau, was du und dein Rad schaffen.

Dein nächster Schritt:

Schnapp dir Komoot, such dir eine kleine Runde für das nächste Wochenende (vielleicht erst mal 40 km mit einer Übernachtung) und probier es aus.

Die beste Planung ist die, die dich vor die Tür bringt.

Happy Bikepacking!

Dennis

Deine Werkzeugkiste: Nützliche Ressourcen

Damit du nicht lange suchen musst, haben wir dir hier die wichtigsten Tools für deine Planung zusammengestellt. Pragmatisch und erprobt.

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FAQ – Häufige Fragen zur Routenplanung

Wie viele Kilometer schafft man als Bikepacking-Anfänger?

Für die erste Tour mit Gepäck sind 40 bis 60 Kilometer pro Tag realistisch. Das lässt genug Puffer für Pausen, Navigation und den Zeltaufbau. Wenn du sehr fit bist, kannst du auf 70–90 km erhöhen, aber unterschätze nicht das Zusatzgewicht am Rad.

Welche App ist die beste für Bikepacking im DACH-Raum?

Der Goldstandard ist Komoot, da die Kartenabdeckung exzellent ist und Community-Highlights gute Tipps geben. Für fortgeschrittene Nutzer lohnt sich ein Blick auf BRouter (Web) für das Feintuning der Strecke, exportiert als GPX für die Navigation.

Wie viele Höhenmeter sind für Anfänger „normal“?

Unterschätze die Berge nicht! Mit Gepäck fühlen sich 500 Höhenmeter an wie 1.000 ohne. Als Richtwert: Bleibe für den Anfang unter 500–800 Höhenmetern pro Tag. Alles darüber wird ohne Training schnell zur Qual. Faustformel: Plane pro 100 Höhenmeter ca. 15 Minuten zusätzliche Fahrzeit ein, egal wie fit du bist.

Was mache ich, wenn ich die geplante Strecke nicht schaffe?

Keine Panik, das passiert den Besten. Plane von Anfang an sogenannte „Bail-out-Optionen“ (Notausgänge) ein. Schau beim Planen in Komoot, wo Bahnhöfe entlang deiner Route liegen. So weißt du immer: „Wenn ich nicht mehr kann, rolle ich einfach 10 km zur nächsten Bahnstation und fahre heim.“ Das nimmt enorm viel mentalen Druck raus.

Soll ich lieber einen Rundkurs oder eine Strecke von A nach B planen?

Für den allerersten Trip ist ein Rundkurs (Loop) oft entspannter. Du startest und endest am gleichen Ort (z. B. deinem Auto oder einem Bahnhof). Das spart dir den Stress, am Ende der Tour mit einem müden Kopf und dreckigem Rad noch eine komplexe Zugverbindung organisieren zu müssen. Wenn du von A nach B fährst, checke vorher die Zugverbindung für den Rückweg.

Über den Autor: Dennis ist leidenschaftlicher Bikepacker und Gründer von Simple-Bikepacking.de. Seine Erfahrungen teilt er in verständlichen Ratgebern ohne Fachchinesisch oder Tech-Talk.

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