Deine Bikepacking-Taschen wirken winzig gegen den Haufen Ausrüstung auf dem Boden? Keine Panik. Mit der richtigen Taktik gewinnst du wertvolle Liter Volumen zurück. Hier erfährst du, wie du Luft eliminierst, Hohlräume nutzt und warum weniger manchmal mehr Komfort bedeutet.
Du stehst vor deinem Equipment, schaust auf die schmalen Taschen am Rad und fragst dich:
Wie soll das alles da rein?
Der Haufen auf dem Boden wirkt riesig, während deine Seatpack und die Rahmentasche verdammt klein aussehen.
Gerade beim Wechsel von klassischen Fahrradtaschen auf ein schlankes Bikepacking-Setup fühlt es sich anfangs an, als würdest du versuchen, einen Elefanten in einen Schuhkarton zu packen.
Aber keine Panik:
Du musst kein Origami-Profi sein, um startklar zu werden.
Es geht nicht darum, auf alles zu verzichten und nachts zu frieren.
Es geht schlicht um cleveres Volumen-Management.
Das Geheimnis: Bikepacking-Taschen haben keine starren Wände.
Sie leben von Kompression und der richtigen Fülltechnik.
Wenn du lernst, Luft konsequent zu eliminieren und Hohlräume am Rad zu nutzen, gewinnst du plötzlich wertvolle Liter für das wichtige „Gipfelbier“ oder die extra Packung Nudeln zurück.
How-to Bikepack - Das Buch
How-to Bikepack ist der Bikepacking-Ratgeber für Einsteiger und Einsteigerinnen und zeigt dir Schritt für Schritt, wie du unvergessliche Abenteuer in der Natur vorbereiten und umsetzen kannst.
Zum Buch*Luft ist dein Feind: Kompression & Umverpacken
Der größte Platzfresser in deinen Taschen wiegt absolut nichts:
Es ist schlichte Luft, die du gnadenlos eliminieren solltest, um Platz für das Wesentliche zu schaffen.
Dein Ziel ist es, das Volumen deiner Ausrüstung auf das absolute Minimum zu reduzieren, ohne die Funktion zu beschädigen.
Textilien radikal komprimieren
Dein Schlafsack, die Wechselkleidung oder deine Daunenjacke bestehen im unkomprimierten Zustand fast nur aus Hohlräumen.
Statt den Schlafsack locker in die Satteltasche zu stopfen, nutze einen Kompressions-Drybag.
Damit reduzierst du das Volumen eines typischen 3-Jahreszeiten-Schlafsacks oft von ca. 10 auf unter 5 Liter.
- Der Technik-Trick: Knie dich beim Packen auf den Sack, um die letzte Luft herauszupressen, bevor du das Ventil oder den Rollverschluss schließt.
- Wichtig: Unterwegs ist Kompression Pflicht, aber lagere Schlafsack und Daunenjacke zuhause immer offen, damit die Bauschkraft der Fasern erhalten bleibt.
Weg mit starren Verpackungen
Supermarktverpackungen sind der Feind deiner Packordnung.
Nudeln, Reis oder Müsli kommen oft in Kartons oder steifen Tüten, die zur Hälfte mit Luft gefüllt sind.
Diese eckigen Klötze lassen sich kaum effizient in die runden, weichen Bikepacking-Taschen stopfen.
- Die Lösung: Fülle Trockennahrung konsequent in wiederverschließbare Ziploc-Beutel (Gefrierbeutel) um.
- Der Vorteil: Die Beutel sind flexibel. Sie verhalten sich wie Sand und füllen genau die kleinen Lücken aus, die in der Tasche zwischen Zelt und Isomatte entstehen. So nutzt du jeden Kubikzentimeter aus.
Das Buddy-Prinzip: Gemeinsam leichter unterwegs
Wenn du mit Freunden unterwegs bist, ist absolute Autarkie kein Muss – Teamwork spart Kilos und wertvolles Volumen.
Es ist einer der effektivsten Hebel, um das Systemgewicht der ganzen Gruppe zu senken, ohne dass einer von euch auf Komfort verzichten muss.
Redundanz vermeiden
Fragt euch vor der Abfahrt gezielt:
Braucht wirklich jeder eine eigene Luftpumpe, ein Kettenöl oder ein umfangreiches Erste-Hilfe-Set?
- Werkzeug: Ein gut ausgestattetes Repair-Kit reicht locker für 2–3 Personen. Sprecht euch ab, wer was trägt
- Elektronik: Ein leistungsstarkes Multi-Port-Ladegerät im Hotel oder eine große Powerbank für das Zeltlager spart den Kabelsalat von drei Einzelgeräten.
Die Camping-Küche teilen
Besonders viel Volumen frisst das Koch-Setup.
Ein Gaskocher und ein Topf genügen meistens völlig, um nacheinander den Morgenkaffee zu kochen oder am Abend gemeinsam einen großen Topf Pasta zuzubereiten.
- Der Gewinn: Lässt einer das Kochset zuhause, spart das schnell 300–500 Gramm und gut 1–1,5 Liter Packvolumen.
- Hygiene: Wenn man die Gewichtsreduzierung auf die Spitze treiben will, reicht auch eine Tube Zahnpasta für zwei.
Mut zur Lücke: Die 80/20-Strategie
Die größte Hürde beim Packen ist oft nicht der Platz in der Tasche, sondern die Angst im Kopf („Was, wenn es doch schneit?“).
Versuche nicht, dich gegen jedes theoretische Risiko abzusichern, sondern packe für die Bedingungen, die dich zu 80 % der Zeit erwarten.
Packe für den Durchschnitt, nicht den Extremfall
Eine Packliste für alle Eventualitäten gibt es nicht.
Wenn du im deutschen Hochsommer eine Wochenend-Tour planst, brauchst du keine Arktis-Ausrüstung für den einen unwahrscheinlichen Kälteeinbruch.
- Der Leitsatz: Deine Ausrüstung sollte so gewählt sein, dass du dich den Großteil der Zeit auf dem Rad wohlfühlst.
- Der Kompromiss: Es ist okay, wenn es abends im Camp mal etwas kühl ist und du dich früher in den Schlafsack kuscheln musst. Das ist besser, als tagelang ein Kilo unnötiges Fleece über die Berge zu schleppen.
Improvisieren statt Schleppen
Du bist (meistens) nicht in der Wildnis von Alaska unterwegs, sondern im dicht besiedelten DACH-Raum.
- Die Notfall-Lösung: Fehlt dir wirklich etwas Essenzielles, kannst du fast überall einen Supermarkt oder eine Tankstelle finden.
- Beispiel: Statt drei Ersatz-Shirts mitzunehmen, reicht eines plus ein kleines Päckchen Rei in der Tube. Waschen geht immer, Schleppen nervt dauerhaft.
Dein Weg zum leichten Setup: Einfach starten
Effizientes Packen ist ein Lernprozess, kein Hexenwerk.
Niemand startet mit dem „perfekten“ Setup in den ersten Overnighter.
Es ist völlig normal, dass du nach deiner ersten Tour feststellst: „Okay, die dritte Hose war überflüssig, aber ein zweites Paar trockene Socken wäre Gold wert gewesen.“ Das gehört dazu.
Lass dich nicht von der Angst leiten, etwas zu vergessen.
In Deutschland und den Nachbarländern bist du fast nie so weit von der Zivilisation entfernt, dass ein vergessenes Teil zur Katastrophe wird.
Der Gewinn, den du durch ein leichtes, agiles Rad hast – besonders bergauf oder auf schmalen Pfaden – wiegt das kleine Risiko locker auf.
Denk daran:
Dein Setup ist nie fertig.
Es wächst und schrumpft mit deiner Erfahrung.
Die Kunst liegt nicht darin, alles mitzunehmen, sondern genau das Richtige.
Also:
Tasche zu, Luft raus und ab auf den Sattel.
Viel Spaß beim Tetris-Gewinnen!
Happy Bikepacking
Dennis
FAQ – Häufige Fragen zum platzsparenden Packen
Wie viel Liter Packvolumen brauche ich für einen Overnighter?
Für ein Wochenende (1–2 Nächte) im Sommer solltest du mit 12 bis 16 Litern reinem Taschenvolumen für Kleidung und Schlafsystem auskommen. Wenn du Zelt, Kocher und Verpflegung dazurechnest, landen die meisten Einsteiger bei einem Gesamt-Setup von ca. 30–40 Litern, verteilt auf Satteltasche, Lenkerrolle und Rahmentasche.
Kann ich meine alten Gepäckträgertaschen (Panniers) weiter nutzen?
Absolut! Bikepacking bedeutet nicht, dass du sofort alles neu kaufen musst. Eine Hybrid-Lösung ist für den Start super: Nutze zwei kleine Gravel-Panniers (oder eine einzelne Packtasche) hinten und kombiniere sie mit einer Lenkerrolle. Achte nur darauf, dass die Taschen fest sitzen und im Gelände nicht klappern.
Was tun gegen den „Tail Wag“ (wackelnde Satteltasche)?
Wenn deine Arschrakete (Seatpack) beim Treten hin und her schwingt, liegt das meist an falscher Beladung. Die Regel: Schwere Gegenstände (z. B. Werkzeug, Ersatzschlauch, dicht gepackte Kleidung) müssen so nah wie möglich an die Sattelstütze. Leichte Sachen (Schlafsack, Daunenjacke) kommen ans Ende der Tasche. Ziehe danach alle Kompressionsriemen so fest wie möglich an.
Was ist das Erste, das ich von meiner Liste streichen sollte?
Meistens ist es das zweite Paar Schuhe (Flipflops reichen für das Lager) oder die dritte Garnitur Radkleidung. Du fährst tagsüber in denselben Sachen; für abends reicht ein trockenes Set (Shirt & Hose/Leggings). Mut zur Lücke spart am meisten Platz.
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