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Schlafen im 1000-Sterne Hotel - Bikepacking mit Biwaksack

Das Campen in der Wildnis erfreut sich unter Bikepackern großer Beliebtheit. Doch was ist, wenn du keine Lust hast, dein Zelt mitzuschleppen? Wenn du es noch "wilder" magst, Kontakt zur Natur suchst oder lediglich eine Unterkunft für Notfälle parat haben willst? Dann ist ein Biwaksack genau richtig für dich.

Zwar musst du im Vergleich zum Zelt auf etwas Komfort verzichten. Dafür punkten die "Schlafsäcke für den Schlafsack" mit Robustheit, leichtem Gewicht und einfacher Handhabung.

Welche Biwaksäcke zur Auswahl stehen und was du vor dem Kauf beachten solltest, verrate ich dir in diesem Artikel.

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Was versteht man unter Biwakieren?

Werfen wir zuerst einen Blick auf die Begrifflichkeit:

Das Wort "Biwak" stammt aus dem Französischen und bedeutet so viel wie "Nachtlager" oder "Feldlager".

Letztere Bedeutung zeigt bereits den militärischen Hintergrund des Begriffs: Soldaten, die in der frühen Neuzeit biwakierten, schlugen ihr Lager außerhalb einer Festung auf, um anrückende Feinde schnell zu erspähen.

Heute versteht man unter dem Biwakieren das Übernachten im Freien.

Rechtlich gesehen ist dies auf allen öffentlichen Grundstücken erlaubt, während das Camping mit Zelt nur auf ausgewiesenen Plätzen gestattet ist. Wo jedoch das Biwakieren aufhört und das Zelten beginnt – darüber lässt sich streiten.

In den meisten Bundesländern darfst du beispielsweise ein Tarp – also eine Schutzplane ohne Außenwände – im Wald aufstellen, um dich vor dem Regen zu schützen.

Unrühmliche Ausnahme ist Berlin: Dieses Bundesland verbietet kategorisch jede Art der Lagerstätte im Wald. In Schleswig-Holstein und Hessen ist es außerdem verboten, nachts den Waldweg zu verlassen. Das macht das Biwakieren natürlich unmöglich.

Einen weiteren Sonderfall stellen Schutzgebiete dar. Ob du dort biwakieren darfst, hängt von den Verordnungen ab:

In Nationalparks etwa sind Wild-Übernachtungen grundsätzlich verboten. Wenn du in einem Biosphärenreservat, Naturpark oder Landschaftsschutzgebiet biwakieren möchtest, solltest du vorher die Schutzgebietsverordnung studieren.

Biwakieren in anderen Ländern

Österreich

Die österreichischen Gesetze erlauben das Biwakieren in der Wildnis nur als Notlösung – etwa, wenn du aufgrund von schlechtem Wetter oder einbrechender Dunkelheit eine Pause einlegen musst. Im Wald ist das Biwakieren verboten.

Schweiz

Generell ist das Biwakieren in der Schweiz nur oberhalb der Baumgrenze erlaubt – und zwar für Einzelpersonen. In Nationalparks sowie Natur- und Wildschutzgebieten herrscht dagegen ein allgemeines Camping-Verbot. Daneben können die einzelnen Kantone und sogar Gemeinden Verordnungen erlassen, über die du dich vor der Reise informieren solltest.

Skandinavien

Am unkompliziertesten funktioniert das Biwakieren in den skandinavischen Ländern. Dort gilt das sog. Jedermannsrecht. Heißt: Du darfst dein Biwak überall aufschlagen, wo es dir beliebt – sogar auf Privatgrundstücken, allerdings nicht in Sichtweite der Besitzer. Beachte außerdem, dass in Nationalparks abweichende Regelungen gelten können.

Biwaksack in den Bergen
Urheber: fabianzocher

Was genau ist ein Biwaksack?

Biwaksäcke sind Hüllen, die über den Schlafsack gestülpt und – je nach Modell – teilweise oder komplett geschlossen werden können. Folgende Merkmale zeichnen einen guten Biwaksack aus:

  • Die Außenhülle ist robust genug, um dich vor Wind zu schützen. Damit übernimmt der Biwaksack die Aufgabe eines Zelts.

  • Oben und unten muss ein Biwaksack Feuchtigkeit abhalten. Meist kommt dafür ein wasserdichter Stoff wie Nylon zum Einsatz.

  • An der Oberseite sollte der Stoff außerdem atmungsaktiv sein. So kann Kondenswasser nach draußen geleitet werden, und dein Schlafsack bleibt trocken.

Natürlich sind die Ansprüche von Bikepackern verschieden. Darum stehen unterschiedliche Arten von Biwaksäcken zur Auswahl:

1. Notfall-Biwaksack

Du planst eigentlich keine Übernachtung, möchtest aber trotzdem auf Nummer sicher gehen – etwa, wenn du im Hochgebirge unterwegs bist? Dann sind Notfall-Biwaksäcke ideal für dich. Diese Modelle schützen dich vor Wind und Regen, sind jedoch nur selten atmungsaktiv, da sie aus Plastik bestehen. Du kannst sie bereits ab 10 Euro pro Stück kaufen.

Not-Biwacksack

Foto: © Rab

Typ: Notfall-Biwacksack
Gewicht: 105 g
Zum Produkt*

Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten.  Maßgeblich für den Verkauf ist der tatsächliche Preis des Produkts, der zum Zeitpunkt des Kaufs auf der Website des Verkäufers stand. Eine Echtzeit-Aktualisierung der vorstehend angegebenen Preise ist technisch nicht möglich. * = Affiliate Links.

2. Biwaksack

Wenn du mehrere Nächte im Freien verbringen möchtest, solltest du einen Biwaksack ab 50 Euro kaufen. Diese Varianten halten dich dank atmungsaktivem Stoff angenehm trocken. Wer jedoch Kondenswasser ganz ausschließen möchte, sollte 100 Euro oder mehr für seinen Biwaksack ausgeben.

MSR Biwacksack

Foto: © MSR

Typ: Biwacksack
Gewicht: 180 g
Zum Produkt*

Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten.  Maßgeblich für den Verkauf ist der tatsächliche Preis des Produkts, der zum Zeitpunkt des Kaufs auf der Website des Verkäufers stand. Eine Echtzeit-Aktualisierung der vorstehend angegebenen Preise ist technisch nicht möglich. * = Affiliate Links.

3. Biwaksack mit Stangen

Die Deluxe-Version von Biwaksäcken wird mit eigenem Gestänge geliefert. Das hat gleich mehrere Vorteile: Zum einen kannst du den Sack komplett schließen und hast im Inneren trotzdem genug Platz. Zum anderen kann die Luft zirkulieren, sodass sich nachts weniger Feuchtigkeit ansammelt. Der Nachteil: Diese Biwaksäcke stellen mit Kosten von 200 Euro oder mehr die teuerste Variante dar.

Rab biwacksack mit gestänge

Foto: © Rab

Typ: Biwacksack mit Gestänge
Gewicht: 890 g
Zum Produkt*

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Vor- und Nachteile von Biwaksäcken

Vorteile

Gewicht:

Die leichtesten Biwaksäcke wiegen nur etwa 150 Gramm – kein Vergleich zu einem Zelt, bei dem Stangen und Heringe das Gewicht erhöhen. Natürlich lässt sich ein Biwaksack auch einfacher im Gepäck verstauen als ein ausgewachsenes Zelt.

Zeitersparnis:

Einen geeigneten Zeltplatz finden, Stangen aufbauen, Heringe in den Boden rammen – all diese Schritte ersparst du dir mit dem Biwaksack. Das macht diese Form der Übernachtung ideal für Situationen, in denen es schnell gehen muss.

Isolierung:

Durch die geringere Größe wird es im Biwaksack schneller warm als in einem Zelt. Da die Durchschnittstemperatur höher ist, kannst du außerdem auf einen dünneren Schlafsack zurückgreifen.

Schutz des Schlafsacks:

Besonders Daunen-Schlafsacke solltest du nicht einfach auf dem Boden ausbreiten. Zu groß ist die Gefahr, dass die Daunen durch Feuchtigkeit verklumpen. Ein Biwaksack als wasserdichte Isolationsschicht löst dieses Problem.

Aussicht:

Zugegeben, dieser Punkt ist eher ästhetischer Natur. Doch besonders im Sommer gibt es nichts Reizvolleres, als unter dem freien Sternenhimmel zu schlafen. Wo ein Zelt die Sicht verdeckt, bietet dir der Biwaksack ein Live-Planetarium der Extraklasse.

Nachteile

Mangelnde Privatsphäre:

In einem Zelt bist du vor neugierigen Blicken geschützt – etwa beim Umziehen. Diesen Luxus kann dir ein Biwaksack nicht bieten. Darum ist das Biwakieren vor allem dort beliebt, wo du der einzige Besucher weit und breit bist.

Beengte Verhältnisse:

Das Schlafen im Biwaksack ist nichts für Bikepacker, die an Klaustrophobie leiden. Wer die Gliedmaßen in alle Richtungen ausstrecken und auch sein Gepäck verstauen möchte, ist mit einem Zelt besser beraten.

Kein Schutz vor dem Wetter:

Zwar sind Biwaksäcke wasserdicht. Doch rund herum hast du keine Möglichkeit, deine Kleidung und Ausrüstung vor Regen zu schützen. Wenn du im feuchten Klima unterwegs bist, empfehlen wir darum ein Tarp (siehe unten).

Schlafen im Biwaksack

Darauf solltest du beim Übernachten im Biwaksack achten

Der richtige Biwaksack

Auch wenn die Funktionsweise gleich ist, herrschen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Biwaksäcken auf dem Markt. Darum solltest du folgende Kriterien beachten, um das richtige Modell für deine Bedürfnisse zu finden:

Größe

Ein Biwaksack muss groß genug sein, damit dein Schlafsack hineinpasst. Wer zusätzlich noch seine Isomatte im Sack verstauen will, muss dies natürlich beim Kauf einkalkulieren. Des Weiteren gibt es neben Standard-Modellen auch Biwaksäcke für zwei Personen. Paare können damit im Vergleich zu Solo-Biwaksäcken Geld und Gewicht sparen.

Schutz vor Regen

Vor allem Biwaksäcke, die als Notfallunterkunft gedacht sind, sollten unbedingt wasserdicht sein. Dafür verwenden die meisten Modelle Nylon, das durch eine Polyurethan-Beschichtung auf der Innenseite ergänzt wird. Wenn du den Schutz vor Feuchtigkeit weiter verbessern möchtest, achte darauf, dass der Biwaksack außen mit DWR (Durable Water Repellent) imprägniert ist.

Atmungsaktiv oder nicht?

Wenn du planst, längere Zeit in einem Biwaksack zu campieren, sollte das gute Stück atmungsaktiv sein. Der Grund: So kann überschüssige Feuchtigkeit, die beim Schlafen entsteht, entweichen.

Nicht nur erhöht das den Komfort. Atmungsaktives Material wie Gore-Tex oder Sympatex hält auch deinen Schlafsack trocken – besonders wichtig bei Daunen, die anfällig gegenüber Nässe sind. Jedoch haben atmungsaktive Biwaksäcke zwei Nachteile: Sie sind schwerer und teurer als ihre Pendants aus einfachem Nylon.

Die geeignete Schlafstätte

Bevor du dein Biwak aufschlägst, solltest du im Kopf folgende Checkliste durchgehen:

  • Wähle eine möglichst ebene Stelle, die nicht in einer Senke liegt. Sonst könnte sich nämlich Regenwasser ansammeln und dein Biwak überfluten.

  • Da du beim Biwakieren nicht von Zeltwänden umgeben bist, sollte die Schlafstätte möglichst windgeschützt liegen. Bäume und Sträucher halten außerdem den Regen ab.

  • Ein nahes Gewässer mag für die Trinkwasserversorgung praktisch sein. Beachte jedoch, dass sich dort im Sommer viele Stechmücken tummeln. Außerdem wird dein Schlafsack durch die erhöhte Luftfeuchtigkeit schneller nass.

  • Direkt neben Abhängen solltest du nicht biwakieren. Besonders im Gebirge drohen dort Steinschläge.

Temperaturen

  • Das Biwakieren eignet sich vor allem für die warmen Monate. Sollten die Temperaturen unter 10° C fallen, steht dir dagegen eine ungemütliche Nacht bevor. Ein Zelt ist dann in jedem Fall die bessere Wahl.

  • Auch im Sommer empfiehlt sich eine Mütze, um deinen Kopf warm zu halten. Außerdem kannst du Kleidung in den Biwaksack legen und dich so zusätzlich wärmen.

  • Apropos Kleidung: Funktionswäsche hat den Vorteil, dass sie Feuchtigkeit nach außen leitet. So kommst du nachts weniger ins Schwitzen.

Naturschutz

  • Auch beim Biwakieren gelten folgende Grundsätze: Lass keinen Müll in der Wildnis liegen. Das Ausreißen von Pflanzen ist Tabu, und nachts solltest du Geräusche vermeiden, um keine Wildtiere zu stören.

  • Falls die Natur ruft, gebietet es der Anstand, "große Geschäfte" zu vergraben. So erlebt der nächste Bikepacker keine unangenehme Überraschung.

  • Feuer machen ist – zumindest in Deutschland – überall dort verboten, wo es nicht ausdrücklich erlaubt ist. Das gilt vor allem zur trockenen Jahreszeit und in der Nähe von Bäumen.

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Welche Ausrüstung benötige ich zusätzlich zum Bikepacking mit einem Biwaksack?

Mit einem Biwaksack allein wirst du auf Bikepacking-Touren kaum glücklich werden. Stattdessen sollten auch die folgenden Ausrüstungsgegenstände mit ins Gepäck:

Tarp

Ein Tarp* unterscheidet sich von einem Zelt dadurch, dass es an den Seiten offen ist. Dadurch bist du nur eingeschränkt vor dem Wind, doch zumindest vor Regen geschützt. Der Vorteil: Das Aufstellen eines Tarps gilt an den meisten Orten nicht als Zelten – wird also weniger streng reglementiert.

Schlafsack

Auch wenn der Biwaksack dich vor Wind und Wetter schützt – nur mit einem Schlafsack wird das Campieren im Freien wirklich bequem. Während im Sommer ein ungefütterter Schlafsack genügt, sollten es in der kalten Jahreszeit Modelle aus Daunen oder Kunstfasern sein.

Isomatte

Um die Kälte vom Boden abzuhalten, empfiehlt sich eine Isomatte. Wie dick diese sein sollte, hängt wiederum von den Temperaturen ab. Alternativ kannst du auf eine Luftmatratze zurückgreifen. Diese lässt sich jedoch nicht so einfach im Biwaksack platzieren.

Moskitonetz

Schutz vor Stechmücken ist besonders in der Nähe von Gewässern erforderlich – und in tropischen Gefilden sowieso. Zum Glück gibt es Biwaksäcke, bei denen das Moskitonetz bereits eingebaut ist.

Biwacksack im Schnee
Urheber: zhukovvvlad

Fazit

Wie du siehst, sind Biwaksäcke nicht nur für den Notfall geeignet. Auch wenn du Gewicht sparen und direkten Kontakt zur Natur genießen möchtest, solltest du dir die wetterfesten Hüllen genauer ansehen.

Besonders wichtig sind dabei Material und Zubehör:

Wer in regnerische Gebiete reist, ist mit einem wasserdichten Biwaksack optimal beraten. In Verbindung mit einem Daunenschlafsack wiederum sollte der Biwaksack atmungsaktiv sein.

Dazu darf – besonders bei kalten Temperaturen – eine Isomatte nicht fehlen.

Dazu noch ein Tarp, das den Regen abhält, und schon wird das Biwakieren zur (einigermaßen) komfortablen Angelegenheit.

 

Happy Bikepacking

Dennis

Weiterführende Links

Urheber Titelbild: Outdoor & Sports Company

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