Leichtes Gepäck: Bikepacking mit dem Tarp

Das Bikepacking mit dem Tarp ist eine tolle Alternative für alle, die Gewicht im Rucksack sparen, direkten Kontakt zur Natur genießen und ihr Nachtlager ganz nach eigenen Wünschen anpassen möchten.

Doch natürlich gibt es einiges zu beachten, bevor du dich unter die Plane wagst – angefangen beim Kauf des richtigen Tarps über einen geeigneten Schlafplatz bis zum Aufbau:

Tarps bieten hier unterschiedliche Möglichkeiten, die alle Vor- und Nachteile haben.

In diesem Artikel zeige ich dir, und wie dein Bikepacking-Trip mit Tarp zum vollen Erfolg wird.

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Begriffsklärung: Was ist ein Tarp?

Unter einem Tarpulin – kurz Tarp genannt – versteht man eine Plane, die der Außenhülle von Zelten ähnelt.

Je nach Art und Aufbauvariante eignen sich Tarps zum Übernachten, als Unterstand bei Regen oder als Sonnenschutz.

In den meisten Fällen besitzt ein Tarp Ösen in der Plane. Durch diese können Seile und Heringe zur Befestigung hindurchgeschoben werden.

Stangen werden oft für den Aufbau von Tarps verwendet, sind jedoch kein Muss.

Vor- und Nachteile von Tarps

Vorteile von Tarps

  • Tarps sind im Vergleich zu Zelten sehr leicht. Viele Modelle wiegen unter 500 g, da die schwerfällige Stangenkonstruktion wegfällt. Wer auf Heringe verzichtet und stattdessen angespitzte Stöcke verwendet, kann noch mehr Gewicht im Rucksack einsparen.

  • Die meisten Tarps sind wasserdicht, sodass sie sich als Regenschutz eignen. Allerdings solltest du auf den richtigen Aufbau achten, den wir weiter unten behandeln.

  • Apropos Aufbau: Während ein Zelt nur auf eine Weise aufgestellt werden kann, bieten dir Tarps verschiedenste Möglichkeiten. Form und Höhe lassen sich flexibel verändern, sodass du auf fast alle Situationen vorbereitet bist. Beispielsweise könntest du unter der Plane kochen, sofern diese hoch genug gespannt ist – etwas, das wir im Zelt kaum empfehlen würden.

  • Zu guter Letzt eignen sich Tarps für alle, die mehr Kontakt zur Natur suchen. Durch das offene oder halboffene Design bist du kaum von deiner Umgebung getrennt – und kannst beispielsweise gleich nach dem Aufstehen den Blick auf die Landschaft genießen. Außerdem hast du es im Sommer schön kühl, da sich keine Hitze unter der Plane stauen kann.

Nachteile von Tarps

  • Der minimalistische Aufbau eines Tarps kann in lauen Sommernächten angenehm sein. Wenn es kalt wird oder stark regnet, bietet dir die Plane jedoch kaum Schutz vor den Elementen. In diesen Fällen sind ausreichender Nässeschutz, ein gut isolierender Untergrund und ein hochwertiger Schlafsack unverzichtbar.

  • Anders als bei Zelten gibt es mehrere Möglichkeiten, ein Tarp aufzubauen. Unterschiedliche Gegebenheiten erfordern unterschiedliche Konstruktionen. Das könnte Anfänger überfordern – vor allem, wenn die Dunkelheit anbricht und der Aufbau schnell vonstattengehen muss.

  • Trotz der Flexibilität beim Aufbau gibt es Einschränkungen: und zwar, wenn du im Hochgebirge oder anderen Gebieten mit spärlichem Baumbestand übernachtest. Dann wirst du um Zeltstangen, die das Gewicht im Rucksack erhöhen, kaum herumkommen.
Bikepacking mit dem Tarp

Darauf solltest du beim Kauf eines Tarps achten

Größe

Die ideale Größe deines Tarps hängt vor allem davon ab, wie viele Personen darunter passen sollen und welches Level an Komfort du bevorzugst.

Wenn du allein unterwegs bist, genügen im Normalfall 3 x 3 m. Kleiner sollte das Tarp nur ausfallen, wenn du wenig Gepäck dabeihast.

Für zwei Personen und Bikepacker mit mehr Rucksäcken eignen sich Größen von 4 x 4 oder 5 x 5 m.

Gewicht

Besonders auf langen Bikepacking-Touren zählt jedes Gramm Gewicht.

Das solltest du bei der Auswahl deines Tarps beachten.

Kleine Modelle gehen bereits bei 300 g los. Ist die Plane jedoch besonders groß oder sind Heringe und Stangen mit von der Partie, können Tarps auch 1 kg auf die Waage bringen.

Form

Tarps werden hauptsächlich in quadratischer Ausführung hergestellt.

Es gibt jedoch auch rechteckige Formen, bei denen zwei Seiten länger sind als die anderen.

Das ist praktisch, wenn du ein langes Tarp mit geringer Höhe aufbauen möchtest – oder ein kurzes Tarp, in dem man bequem stehen kann.

Auch Dreiecks-Tarps sind verfügbar, gehören jedoch eher zu den Exoten. Du sparst dir eine Ecke, die du andernfalls befestigen müsstest.

Dafür sind die Anwendungsmöglichkeiten begrenzt, da dreieckige Tarps nur unzureichenden Schutz vor den Elementen bieten.

Material

Ein gutes Tarp muss vor allem zwei Kriterien erfüllen: Reißfestigkeit und Schutz vor Feuchtigkeit. Darum kommen vor allem die folgenden Materialien zum Einsatz:

  • Polyester ist wasserfest und kann UV-Strahlen abhalten, ist jedoch nur bedingt atmungsaktiv.

  • Nylon besitzt ein geringes Gewicht. Dafür lässt der Stoff beim Wasserschutz zu wünschen übrig und schützt nicht gegen starke Sonneneinstrahlung.

  • Ripstop-Nylon punktet mit extremer Reißfestigkeit und Schutz vor UV-Strahlung, ist aber deutlich teurer als gewöhnliches Nylon oder Polyester. Wird der Stoff mit Silikon beschichtet, kann er Nässe abhalten.

  • Baumwolle kommt eher seltener für Tarps zum Einsatz, denn sie ist schwer und nicht wasserabweisend. Diese Mankos können ausgeglichen werden, wenn die Baumwolle mit Kunstfasern vermischt wird.

Egal, für welches Material du dich entscheidest – Qualitätsprodukte zeichnen sich durch verstärkte und versiegelte Nähte aus.

Auch Doppelnähte helfen, die Widerstandskraft der Plane zu erhöhen, sodass sie länger einsatzbereit bleibt.

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Befestigungsmaterial

Neben einer stabilen Plane sind die Schnüre das A und O. Diese halten das Tarp auf Spannung und müssen hohen Belastungen standhalten – vor allem, wenn es windig wird.

Häufig empfohlen werden Reepschnüre mit einem Durchmesser von 3 bis 4 mm. Sie können bis zu 180 kg Zugkraft aushalten. Außerdem hilft die raue, statische Oberfläche beim Verschnüren.

Paracord ist eine weitere beliebte Wahl. Allerdings ist dieses Material dehnbarer, was Vor- und Nachteile mit sich bringt:

Das Spannen des Tarps wird schwieriger. Dafür werden die Ösen der Plane bei Wind weniger stark beansprucht.

In jedem Fall sollten die Schnüre mindestens 3 m lang sein, damit du sie auch zwischen weiter entfernten Ankerpunkten spannen kannst.

Zubehör

Wer es minimalistisch mag, kann Tarp, Leinen und Heringe natürlich lose im Rucksack transportieren.

Praktischer sind jedoch mitgelieferte Taschen, die am besten noch wassergeschützt sind. Extra-Taschen für Leinen und Heringe machen den Aufbau komfortabler, da du nicht mühsam nach dem Zubehör suchen möchtest.

Manche Produkte besitzen an den Ecken eingenähte Taschen, in denen du kleine Gegenstände griffbereit verstauen kannst.

Ob du ein Tarp inklusive Stangen kaufen solltest, hängt von deinen persönlichen Vorlieben ab – und davon, wo du campieren möchtest.

Natürlich kannst du dir im Wald passende Stöcke zurechtschnitzen.

Zwei gleich lange Zeltstangen ersparen dir jedoch diese Arbeit und bieten evtl. mehr Stabilität. Dafür erhöhen sie das Gewicht im Rucksack.

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Verschiedene Aufbauvarianten eines Tarps

Wenn du dein Tarp aufbauen möchtest, hast du verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl – jede davon mit ihren eigenen Stärken und Schwächen:

1. Waagrechte Plane

Wenn du alle vier Ecken deines Tarps an Haltepunkten befestigst, erhältst du einen waagrechten Sonnenschutz, den du beliebig in der Höhe anpassen kannst.

Auch im Wald eignet sich diese Konstruktion – und zwar um Nieselregen abzuhalten.

Dort kannst du einfach vier Bäume zur Befestigung verwenden. Natürlich bietet diese Konstruktion keinerlei Schutz vor Regen und Wind, der von der Seite kommt.

2. Zeltdach

Für ein Zeltdach benötigst du zwei Haltepunkte – etwa Bäume, an denen du die Schnur befestigst. Nun legst du das Tarp darüber, sodass die Hälften nach unten hängen. Diese machst du mit Heringen fest.

Das Schrägdach bietet dir von zwei Seiten Schutz vor den Elementen, während die beiden offenen Seiten als Ein- und Ausstieg dienen.

3. Asymmetrisches Zeltdach

Für diese Konstruktion befestigst du zuerst alle Ecken des Tarps am Boden.

Nun schiebst du eine Stange darunter und stellst diese auf. So entsteht das Kopfende. Das Fußende wird entweder mit einer kürzeren Stange versehen oder freigelassen.

Der Sinn dahinter:

Das Zeltdach lässt sich so besonders flach gestalten, was dem Wind weniger Angriffsfläche bietet.

4. Einfaches Schrägdach

Das einfache Schrägdach präsentiert sich besonders unkompliziert im Aufbau.

Du benötigst lediglich zwei Haltepunkte – z. B. Stangen oder Bäume, an denen du zwei Ecken des Tarps befestigst. Die anderen beiden Ecken spannst du bis zum Boden. Jetzt noch mit Heringen sichern – und fertig ist die Konstruktion.

Beachte, dass das Schrägdach Wind und Wetter nur von einer Seite abhält.

5. Schrägdach mit Bodenplane

Wenn du ein längeres Tarp hast, kannst du auch ein Schrägdach mit Bodenplane bauen.

Dafür befestigst du zwei Ecken an einer Schnur, die zwischen zwei Haltepunkte gespannt wird. Die herunterhängende Plane beschwerst du nun mit einem Ast.

Dadurch entsteht ein Schrägdach – der Rest der Plane dient als isolierende Unterlage.

6. Die Bikepacking- Variante – Zeltdach mit dem Fahrrad

Beim Bikepacking hast du dein Fahrrad jederzeit dabei. Was läge also näher, als den Drahtesel zum Aufbau des Tarps zu verwenden?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten dein Bike in den Aufbau zu integrieren:

Für eine besonders flache, windgeschützte Konstruktion solltest du die Räder abmontieren, aufrecht auf den Boden stellen und mit Schnüren in Position halten. Anschließend wird eine Leine dazwischen gespannt und das Tarp als Zeltdach darüber gehängt.

Das bereits erwähnte asymmetrische Zeltdach errichtest du, indem du nur das Vorderrad abmontierst und die Plane über das nach vorne geneigte Fahrrad spannst.

Soll der Dachfirst etwas höher sein, kannst du das Vorderrad auch montiert lassen und das Tarp am Lenker deines Fahrrads befestigen (Video).

Der Vorteil dieser Aufbauvariante liegt auf der Hand: Du musst keine Stangen mitschleppen. Beachte jedoch, dass dein Fahrrad unter dem Tarp mehr Platz wegnimmt.

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Tipps für den Tarp-Aufbau

Das beste Tarp nützt nichts, wenn es falsch aufgebaut wird oder an einer ungünstigen Stelle steht. Darum solltest du folgende Tipps beachten:

Aufbauort

Wie beim Zelten sollte das Tarp an einem windgeschützten und möglichst trockenen Ort stehen.

Senken und Flussläufe sind zu vermeiden, da sich in ihnen Regenwasser sammeln kann. Achte außerdem darauf, dass sich über dem Tarp kein Totholz befindet, von dem Äste herunterfallen könnten.

Wichtig für den Komfort ist ein ausreichend gepolsterter Untergrund, den du vorher von Tannenzapfen und Ästen befreist. Und natürlich muss das Tarp befestigt werden. Bäume in einem Abstand von 2–3 m eignen sich dafür besonders gut.

Aufbau

Beim Aufbau sind folgende Hinweise wichtig:

  • Die dem Wind zugewandte Seite des Tarps sollte möglichst bis auf den Boden reichen, sodass du vor dem Luftzug geschützt bist.

  • Zur Befestigung der Leinen eignen sich Knoten wie der Mastwurf, Buckelknoten oder Topsegelschotstek – und generell alle Knoten, die du leicht festziehen, aber genauso gut in der Spannung anpassen kannst.

  • Nicht alle Seiten des Tarps sollten sich auf gleicher Höhe befinden. Stattdessen empfehlen sich schräge Konstruktionen, an denen das Regenwasser herunterlaufen kann.

  • Aus demselben Grund muss die Plane fest gespannt werden und darf nicht locker nach unten hängen.

  • Wenn du Stangen verwendest, solltest du das Tarp erst locker befestigen. Danach werden die Stangen darunter geschoben und mit der spitzen Seite in den Boden gerammt. Auch Trekkingstöcke lassen sich dafür nutzen.

  • Als Unterlage kannst du sog. Elefantenhaut nehmen, wie sie von der Bundeswehr verwendet wird. Achte jedoch darauf, dass sie nicht unter dem Tarp hervorragt. Sonst könnte sich dort Regenwasser sammeln und unter die Plane fließen.

Fazit

Zwar bieten Tarps nicht denselben Komfort wie Zelte.

Wenn du auf ausreichende Größe und hochwertige Verarbeitung achtest, steht einer trockenen und windgeschützten Nacht im Freien jedoch nichts im Wege.

Ebenso wichtig ist eine Konstruktion, die der Umgebung angepasst ist:

Wer sich lediglich vor der Sonne schützen möchte, kann die Plane waagrecht spannen.

Bei Regen empfehlen sich dagegen Schrägdächer, und noch mehr Schutz vor den Elementen erzielst du mit einer Zeltdach-Konstruktion. Dafür kannst du Stangen, Äste – aber auch dein Fahrrad verwenden.

 

Happy Bikepacking

Dennis

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Urheber Titelbild: execute11

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