Zelten im Winter: ⛺️ So bleibst du warm und trocken im Schlafsack

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Auch im Herbst und im Winter sind noch viele Bikepacker mit dem Zelt unterwegs. Die kälteren und dunkleren Jahreszeiten haben durchaus ihre Reize. So schön eine Bikepacking-Tour bei kühleren Temperaturen auch sein kann, es gibt nichts Schlimmeres, als mitten in der Nacht frierend aufzuwachen.

Die Nacht sollte eine Zeit sein, um sich auszuruhen und die Energiespeicher für die Abenteuer des nächsten Tages aufzuladen. Wenn dir nachts jedoch kalt ist, ist eine erholsame Nacht jedoch kaum möglich. In diesem Beitrag möchte ich dir einige Tipps mit auf den Weg geben, wie du trotz eisiger Temperaturen dafür sorgen kannst, es in deinem Schlafsack warm und gemütlich zu haben.

Wärmestrahlung:

Abgabe von Wärme ohne direkten Kontakt zu anderen Materialien. Dein Körper strahlt permanent Wärme aus und gibt diese an die Umwelt ab.

Wärmeleitung / Konduktion:

Abgabe von Wärme über die Haut bei direktem Kontakt mit anderen Materialien. Du musst dich nur auf einen kalten Felsen setzen, um diese Prinzip des Wärmeverlustes zu erfahren 🙂

Wärmeströmung / Konvektion:

Abgabe von Wärme auf ein sich bewegendes Medium. Ein solches sich bewegendes Medium ist üblicherweise Luft oder Wasser. Kalter Wind erhöht den Temperaturunterschied und somit den Wärmeaustausch deines Körpers.

Wie wirkt sich Wärmeverlust und Unterkühlung auf den Körper aus?

Normalerweise liegt unsere Körpertemperatur etwa bei 37 Grad Celsius und kann tagsüber geringfügig schwanken. Bei einer Unterkühlung gibt dein Körper entweder vermehrt Wärme ab oder produziert zu wenig. Dadurch senkt sich die Körpertemperatur ab. Je stärker dein Körper unterkühlt, desto langsamer wird der gesamte Stoffwechsel im Körper.

Starkes Zittern, schnelle Atmung und schnellen Puls, eine weiße Körper- und eine bläuliche Gesichtsfarbe sowie Schmerzen am ganzen Körper sind eindeutige Anzeichen einer Unterkühlung und es besteht akute Handlungsbedarf.

Diese Verlangsamung des Stoffwechsels kann so weit gehen, dass es lebensgefährlich wird und eine Behandlung durch einen Arzt notwendig wird– soweit muss es aber bei deinem Zelt-Abenteuer im Winter nicht kommen.

Zelten im Winter

Strategien, um beim Zelten im Winter warm zu bleiben

Damit du bei deinem Winter Bikepacking-Abenteuer warm und trocken bleibst, gibt es 2 Hauptstrategien, auf die ich nachfolgend etwas detaillierter eingehe.

Wärmeverlust vermeiden

Dein Körper produziert durch seinen Stoffwechsel kontinuierlich Wärme. Damit du lange etwas von dieser Wärme hast, musst du sie „festhalten“, also dafür sorgen, dass so wenig wie möglich von ihr entweichen kann.

Zelt

Wenn du bereits ein qualitativ hochwertiges Zelt besitzt, das du im Frühjahr und Sommer verwendest, kann es grundsätzlich auch im Winter eingesetzt werden, wenn es folgende Kriterien erfüllt:

  • Es sollte zweiwandig sein, also über ein separates Außen- und Innenzelt verfügen.
  • Das Gestänge sollte stabil genug sein, sodass es auch zusätzliche Schneelast tragen kann.
  • Es sollte über ein ausstreichend großes Vor-Zelt verfügen, damit du deine Ausrüstung dort verstauen und bei schlechtem Wetter kochen kannst.

Schlafsack

Wenn es bei Eis und Schnee auf Bikepacking-Tour geht, ist es mehr als empfehlenswert, einen dafür geeigneten Winterschlafsack zu verwenden. Dieser sollte nicht nur eine eng anliegende und verschließbare Kapuze haben, sondern auch einen zuziehbaren Wärmekragen. Durch den Wärmekragen wird das Eindringen von Kaltluft über den Hals- und Brustbereich unterbunden.

Der Schlafsack muss nicht nur den richtigen Temperaturbereich haben, sondern deinen Körper relativ eng umschließen und zu deiner zu Körperform passen.

Achtung: Dein Schlafsack darf nicht zu eng sein. Durch Druck auf eine ohnehin zu engem Schlafsack wird die Füllung zusammengepresst. An diesen Stellen entstehen dann sogenannte „Kältebrücken“, an denen die Kälte eindringen kann. Zu große Hohlräume sollten auch verhindert werden, da sie dem Körper ebenfalls Wärme entziehen.

Bereich Definition
TCom - Komfortbereich Temperaturwert für die "Norm-Frau" (25 Jahre, 60 kg, 1,60 m)
TLim - Komfortlimit Temperaturwert für den "Norm-Mann" (25 Jahre, 70 kg, 1,73 m)
TExt - Extrembereich Untere Grenze des Überlebensbereichs

Inlay

Zusätzliche Inlays* können die Wärmeleistung des Schlafsacks um einige Grad erhöhen und schützen das Innenleben zusätzlich vor Feuchtigkeit und Schmutz. Es ist nicht jedermanns Sache, mit einem Inlay zu schlafen, da es etwas unpraktisch sein kann – probiere es am besten einfach mal aus.

Schlafmatte

Im Winter lauert die Kälte nicht nur in der Luft, sondern auch im Boden. Es ist daher sehr wichtig, eine ausreichende Isolation zu haben. Winter Isomatten sorgen mit spezieller Isolation und dämmenden Luftschichten dafür, dass du nicht von unten auskühlst. Der R-Wert gibt die Isolationsleistung einer Isomatte an. Ab einem R-Wert von 4 schützt die Schlafmatte gegen Bodentemperaturen von etwa -10 °C und gilt damit als wintertauglich.

R-Wert Temperaturbereich Einsatz
1-1,5 bis +7° C 3 Jahreszeiten, warme Nächte
1,5 – 2,5 bis +2° C 3 Jahreszeiten, gemäßigte Nächte
2,5 – 3,5 bis -5° C 3-4 Jahreszeiten, kühlere Nächte
3,5 – 4,5 bis -11° C 4 Jahreszeiten, wintertauglich
4,5 – 5,5 bis -17° C hochalpine Winterbiwaks
5,5 – 6,5 bis -22 °C ausgedehnte Wintertouren
über 6,5 ab -22 °C Extreme Winter- und Expeditionseinsätze

Tipp:  Wenn du nicht in eine teure Winter-Schlafmatte investieren möchtest, kannst du  auch 2 Isomatten übereinanderlegen, um so die Isolationsleistung zu erhöhen.

Kleidung

Auf dem Fahrrad solltest du dich nicht zu warm einpacken, das gilt auch für die Nacht. Auch im Winter fängt man durch die größere körperliche Anstrengung schnell an zu schwitzen. So gelangt Feuchtigkeit in die Kleidung und auf deine Haut.

Das ist nicht nur unangenehm, sondern sorgt auch dafür, dass du schneller auskühlst. Das Zwiebelprinzip ist hier der beste Rat. Kleidung in mehreren Schichten sorgt dafür, das zwischen den Schichten ein kleines Luftpolster entsteht, das als Isolationsschicht dient.

Eine Mütze, warme Socken und ggf. Handschuhe sorgen dafür, dass du an diesen empfindlichen Körperstellen vor der Kälte geschützt bist und das deine Körperwärme dort nicht so schnell entweichen kann.

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Plastiktüten Alufolie, Rettungsdecke

Auch der beste Kälteschutz verliert seine Wirkung, wenn nicht gleichzeitig auch ein bestmöglicher Nässeschutz ergänzt wird. Daher solltest du immer genügend schützende und isolierende Unterlagen mit dabeihaben.

Eine Sitzunterlage aus Schaumstoff, ein Rucksack, auf den du dich setzen kannst, Plastiktüten oder Rettungsdecken sind leichte und einfache mittel, dich gegen Feuchtigkeit und Nässe zu schützen.

Wärme hinzufügen

Auch das Hinzufügen von Wärme ist eine sehr effiziente Maßnahme, um dich vor Wärmeverlust und Kälte zu schützen. Wenn Wärme von Außen hinzugefügt wird, muss dein Körper weniger stark arbeiten, um den Temperaturunterschied im Schlafsack auszugleichen. Das spart Energie und lässt dich ruhiger schlafen.

Essen und Trinken

Nächtlicher Mangel an Flüssigkeit und Nahrung ist schlecht für Schlaf und Regeneration. Man braucht die Energie , um sich während des Schlafs warm zu halten. Ein bis zwei Stunden vor dem „Aufs-Ohr-Legen“ ist ein guter Zeitraum, um ordentlich reinzuhauen. In dieser Zeit sollte man auch nur noch sparsam trinken.

Achtung! Auch bei schlechtem Wetter niemals im Zelt kochen, selbst wenn es draußen stürmt. Wenn es gar nicht anders geht, dann nutze dein Vorzelt und sorge dabei für eine ausreichende Belüftung.

Taschenwärmer

Im Camping und Outdoor Fachhandel gibt es eine Vielzahl von sogenannten Taschenwärmern bzw. Hand- und Fußwärmern. Es gibt verschiedene System. Zum einen die Kunststoff-Pads, die durch eine chemische Reaktion für ein bis zwei Stunden Wärme erzeugen. Zum anderen gibt es die sogenannten Taschenöfen, die mit speziellen Brennstiften betrieben werden können. Dies Variante verspricht bis zu 6 Stunden Wärme.

Wärmflasche

Ein einfacher Trick vorausgesetzt man hat Zugang zu warmem Wasser, ist es, seine Fahrrad-Trinkflasche als Wärmflasche umzufunktionieren. Die mit warmem Wasser gefüllte Trinkflasche wird einfach mit in den Schlafsack genommen und zwischen die Beine gelegt. Sollte die Flasche anfangs zu heiß sein, kann sie in ein T-Shirt oder Trikot eingewickelt werden.

winter camping

7 Tipps für das Zelten bei kalten Temperaturen

Wähle Grund und Boden sorgfältig aus

Egal ob du biwakierst oder in einem Zelt übernachtest, der Untergrund, auf dem du dich niederlässt, spielt eine entscheidende Rolle. Wenn du dein Camp auf Moos, Laub oder einer Wiese errichtest, liegst du nicht nur weicher, sondern profitierst auch von besseren Isolationseigenschaften solcher Untergründe.

Schütze dich vor eisigem Wind

Bau dein Lager, wenn möglich immer an einer windgeschützten Stelle auf. Hinter einem umgekippten Baum oder hinter einem Felsen erreicht dich weniger kalter Wind. Der Zelteingang sollte möglichst zur windabgewandten Seite zeigen. Achte bei der Standortwahl auch auf Gefahren von oben wie z. B. Schneemassen, die von einem Felsen herunterfallen können oder brüchige, mit Schnee beladenen Äste.

Schuhe ins Zelt, Kleidung in den Beutel

Nässeempfindliche Kleidung wird am besten in wasserdichten Beuteln verstaut und ins Innenzelt gelegt. So bleibt sie trocken und kühlt durch die etwas höheren Temperaturen im Innenraum nicht ganz so stark aus. Deine Schuhe sollten nach Möglichkeit ebenfalls mit ins Zelt genommen werden. So kannst du verhindern, dass Schnee und Eis hineingeweht werden.

Entleere deine Blase

Die in einer gefüllten Blase enthaltene Flüssigkeit muss vom Körper mit erwärmt werden. Hierfür wir wertvolle Energie verwendet. Eine leere Blase sorgt also dafür, dass dein Körper die Energie für sinnvollere Tätigkeiten verwenden kann.

Mach dich locker

Kalt in den Schlafsack zu kriechen ist ein sicherer Weg, um die ganze Nacht hindurch zu frösteln. Ein paar leichte Übungen und etwas Bewegung kurz vor dem Schlafengehen sorgen dafür, das du bereits auf Temperatur bist, bevor du in den Schlafsack kriechst.

Vermeide Alkohol

Durch Alkohol dehnen sich die Blutgefäße in den Gliedmaßen aus. Die Extremitäten werden besser durchblutet, der und man fühlt sich zunächst wohlig warm und spürt die Kälte weniger stark. Die gute Durchblutung der von Armen und Beinen hat jedoch nicht nur zur Folge, dass die lebenswichtigen Organe weniger gut durchblutet werden – sie führt außerdem dazu, dass mehr Wärme nach außen abgegeben wird und das Auskühlen des Körpers somit beschleunigt wird.

Sei vorbereitet

Gute Planung ist beim Winter-Camping enorm wichtig. Wenn du dich im Vorfeld über deine Routen, dein Reiseziel und die dort herrschenden Wetterbedingungen informierst, kannst du dein Equipment entsprechend vorbereiten. Du solltest deine Kleidung und Schlafausrüstung immer auf die kältesten Temperaturen auslegen, die zu erwarten sind, so bist du auf schwankende Temperaturen gut vorbereitet.

Zelten im Winter – Fazit

Mit den hier beschriebenen Maßnahmen kannst du dafür sorgen, es in deinem Schlafsack ein wenig wärmer ist und du auch bei niedrigen Temperaturen gut schlafen kannst.

Am besten ist es, wenn du dich zunächst Schritt für Schritt an das Zelten im Winter herantastest, um herauszufinden, wie du dich am effektivsten vor Kälte schützen kannst. Mit einer guten Planung und etwas Erfahrung steht deinem Winter Abenteuer also nichts mehr im Wege.

Sleep warm

Dennis

Titelbild: Urheber: kapu / 123RF Standard-Bild

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